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Hannah Kruse |
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in GOLDRAUSCH 9 |
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Die kubischen Holzobjekte von Ingrid Bayer erscheinen als rhythmisierte architektonische Formen. In der Variation unterschiedlich langer Leistenquerschnitte schafft sie durch minimale Eingriffe, Einkerbungen und anschließende Kombination einzelner Segmente verzahnte Gefüge, die in präziser Konfiguration auf Bodenplatten plaziert sind. Die Materialität des Werkstoffs Holz prägt Form und Oberfläche der Objekte. Die blockhaften Einschnitte sind strukturiert durch die Bruchstellen der Holzstruktur; die blaugraue oder schwarze Lasur, mit der Ingrid Bayer ihre Arbeiten behandelt, läßt die Maserung durchscheinen. Die Raumkörper sind präzises Ergebnis der im Arbeitsprozess entstandenen Variationen eines Moduls. Die kombinierten Formen ragen in den Raum hinein; sie agieren sowohl als Körper als auch als Beschreibung der sie umschließenden Negativform.
Die Auseinandersetzung von Ingrid Bayer nicht nur mit Objektbau, sondern auch mit malerischer und zeichnerischer Tätigkeit belegen die seriellen Arbeiten auf Karton: Ein unterliegendes Raster überzeichnet Ingrid Bayer wiederholt mit Bleistift und Tusche. Durch die gemeinsame Grundstruktur thematisieren die Zeichnungen sowohl ihren Herstellungsprozeß als auch die in der seriellen Praxis entstehende Vielfalt räumlicher graphischer Darstellung. |
Helles Holz zeigt auch die große Arbeit, die sich aus vielen kleinen Holzstücken addiert. Ingrid
Bayer hat dafür Latten zersägt und sie auf mehrere Meter Länge in etwa zwanzig Zentimeter nicht
ganz gleich hohen Türmen wieder zusammengefügt. Vor der großen weißen Wand im Atelier
erscheint die Wirkung verblüffend. Diese vollkommen abstrakten Einzelteile sind nicht mehr nur
Form, sondern haben Inhalt.
Fast alle Objekte von Ingrid Bayer kommen ohne Titel aus. Der Betrachter mag sich seine eigenen
Gedanken machen. Dennoch läßt die Künstlerin keinen Zweifel darüber offen, das ästhetische
Erfahrungen eine wesentliche Rolle spielen. Ob sie eine Form weiterverfolge oder nicht, habe mit Assoziationen zu tun. Und natürlich erinnert die formale Ausbreitung in die Waagrechte an Landschaft
und Architektur. Ebenso wichtig aber ist es der Künstlerin, am fertigen Objekt herauszufinden, was
passiert, wenn man es so oder so stellt -
oder überhaupt liegend. Und wie verhält es sich zusammen mit einem anderen Teil? Rhythmus und
Ordnungsverhältnisse werden noch einmal durchdacht im Kontext mit weiteren zusammengesetzten
Objekten.
Es ist ein Spiel. Die Regeln ergeben sich durch das Spannungsverhältnis zum Raum, durch den
Lichteinfall und schließlich durch die Beziehung zwischen den Objekten, die sich über den Boden
ausbreiten. Manchmal faßt sie die Künstlerin auf Holz-
Dabei entsteht eine größere Unabhängigkeit zum Raum, aber die Anordnung der Platten wirft neue
Überlegungen auf. Beliebig ist gar nichts.